Manuelle Lymphdrainage

Was ist Manuelle Lymphdrainage (MLD)?


Dem Lymphgefässsystem wird in der Veterinärmedizin leider noch wenig Beachtung geschenkt, obwohl es wissenschaftlich erwiesen ist, dass die Lymphgefässe bei gewissen Erkrankungen eine zentrale Rolle spielen.

Mit speziellen Griffen werden die Lymphbildung und der Lymphfluss angeregt. So werden die ins Gewebe ausgetretene Lymphflüssigkeit und Eiweisse (Plasmaproteine) wieder ins Lymphgefässsystem und die Blutbahn zurück befördert. Gerade dieses Zurückbefördern der Eiweisse ist von grosser Wichtigkeit, da sonst durch ihre Ablagerung im Gewebe dauerhafte Verklebungen (Fibrosen) entstehen, welche z. B. zu einem sogenannten Elefantenbein führen.

Je nach Erkrankung wird im Anschluss ein Kompressionsverband angelegt, um die Wirkung der manuellen Lymphdrainage zu verstärken. Der Kompressionsverband mit speziellen Kurzzugbinden schnürt im Gegensatz zu herkömmlichen Verbänden oder Ruhebandagen die Lymphgefässe nicht ab und stört somit den Lymphfluss nicht.

Allenfalls können auch Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden, welche jedoch immer mit einer MLD kombiniert werden sollten, da sie ansonsten die Verhärtung (Fibrosierung) der Haut eher fördern. 

Die MLD wird als Therapie, aber auch als Prophylaxe (z. B. bei Sportpferden, um das Risiko von Sehnenschäden zu verringern) eingesetzt. 

Im Anschluss an die Therapie gebe ich Ihnen ein Merkblatt ab und zeige Ihnen Griffe, welche Sie selber an Ihrem Tier anwenden können, um die Therapie fortzuführen oder allgemein das Lymphsystem in Zukunft positiv beeinflussen zu können.

Die MLD darf NICHT durchgeführt werden bei Fieber oder schwerer Herzinsuffizienz. Bei tumorösen Erkrankungen, Herzerkrankungen oder Trächtigkeit muss vorgängig abgeklärt werden, ob die MLD durchgeführt werden darf. 


 Wann hilft Manuelle Lymphdrainage?


  • Angelaufene Beine: Auch wenn sie zunächst harmlos scheinen, sind angelaufene Beine häufig ein Frühstadium einer Schwäche im Lymphsystem (sog. Stadium 1 des Equinen Lymphödemkomplexes = ELK). Solche Pferde neigen dazu, im Laufe der Jahre vermehrt akute Phlegmonen (Stadium 2 des ELK) oder chronische Phlegmonen = Dickbeine/Elefantenbeine (Stadium 3 des ELK) zu entwickeln. Die MLD wirkt hier vorbeugend.
  • Akute Phlegmone (Einschuss, Rotlauf): Sobald das Pferd tierärztlich versorgt wurde und fieberfrei ist, sollte mit der MLD begonnen werden, um zu verhindern, dass das Bein chronisch dicker bleibt. Mit jeder durchgemachten akuten Phlegmone steigt das Risiko für Hautverdickungen, Verklebungen und ein chron. Dickbein.
  • Chronisches Dickbein (Elefantenbein, chron. Phlegmone):  Auch bei schon länger (Monate bis Jahre) bestehendem Problem kann durch MLD in Kombination mit Kompressionsverbänden und Kompressionsstrümpfen eine deutliche Umfangsreduktion und noch wichtiger eine Verbesserung der Hautqualität (elastischer, weniger Krusten, Aufweichung der Fibrosen) und somit der Beweglichkeit erreicht werden. Zudem verändert sich auch die meist schlechte Hufhornqualität längerfristig zum Positiven. Je früher mit der Therapie begonnen wird, umso besser sind die Erfolge.
  • Sehnenschäden: Die Sehnen sind reich an Lymphgefässen, welche ein natürliches Überlaufsystem darstellen. Bei Zerreissungen von Sehnenfasern werden die anfallende Flüssigkeit/Einblutungen und Entzündungsprodukte über die Lymphgefässe abtransportiert. So nimmt der Druck in der Sehne ab, wodurch zusätzliche Druckschäden auf die noch intakten Sehnenfasern verhindert werden. Ein weiterer Vorteil ist die ebenfalls damit erzielte Schmerzreduktion. Die MLD Griffe fördern zudem die Längsausrichtung der Sehnenfasern und beugen Verklebungen vor.
  • Prophylaxe von Sehnenschäden: Ist das Lymphsystem bereits vorgängig durch die MLD aktiviert, kann der oben beschriebene Abtransport bei Zerreissungen von Sehnenfasern rascher geschehen und es entstehen weniger Folgeschäden durch erhöhten Druck und Entzündungsprodukte.
  • Schwellungen ("Gallen") von Gelenken, Sehnenscheiden und Schleimbeuteln: Je nach Ursache kann die MLD eine Reduktion der Gallen bewirken, da die Hüllen dieser Strukturen Lymphgefässe enthalten und mit der Gelenksflüssigkeit (Synovia) in Verbindung stehen.
  • Ödeme: Nach Trauma (Wundödem), Operationen (z.B. Kolik-OP, Kreuzbandriss-OP...) oder Ödemen der äusseren Geschlechtsorgane (Präputium, Euter).
  • venöse Stauungsödeme: Nach vorgängiger tierärztliche Abklärung kann die MLD je nach Ursache zum Einsatz kommen, um das Ödem zu verringern.
  • Förderung der Wundheilung: Ödem und Entzündungsprodukte werden schneller abtransportiert.
  • Sommerekzem: Durch die Hautveränderungen und das Kratzen werden auch Lymphgefässe geschädigt, was zu Wassereinlagerungen führen kann.
  • Kreuzschlag, PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) und andere Muskelerkrankungen:  Durch die MLD werden Lactat, Entzündungsprodukte und Ödem schneller abtransportiert, was zur einer verbesserten Sauerstoffversorgung/Durchblutung und Schmerzlinderung führt.
  • EMS (Equines Metabolisches Syndrom): Die Fettdepots können den Lymphfluss beeinträchtigen und zu Wassereinlagerungen führen.
  • subakutes oder akutes Stadium der Hufrehe: Die Huflederhaut und der Kronsaum sind reich an Lymphgefässen, deren Rolle bei der Entstehung der Hufrehe noch nicht vollständig geklärt ist. Sicher ist jedoch, dass durch die MLD eine gewisse Schmerzlinderung durch Ödemreduktion und somit Drucksenkung in der Hufkapsel statt findet. Die MLD ist somit eine wertvolle Zusatzmassnahme zur klassischen veterinärmedizinischen Therapie (Medikamente, Verbände etc.) und sollte möglichst sofort durchgeführt werden.
Zentrale Vorbereitung der Buglymphknoten
Manuelle Lymphdrainage der Beugesehnen

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